VVO-Bahnhofstest 2010/11

Um auf Missstände im Bereich Service, Sicherheit und Sauberkeit hinzuweisen und die gelungene Umsetzung dieser Faktoren aufzuzeigen hat es sich die Ortsgruppe Dresden des VCD Elbe-Saale zur Aufgabe gemacht, alle 129 Bahnhöfe und Bahnhaltepunkte im Gebiet des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) auf unter anderem folgende Kriterien hin zu prüfen:

  • Erscheinungsbild des Bahnhofsvorplatzes und des Empfangsgebäudes außen
  • Erscheinungsbild des Empfangsgebäudes innen
  • Erscheinungsbild und Ausstattung der Bahnsteige und Bahnsteigzugänge
  • Barrierefreiheit
  • Erreichbarkeit zu Fuß
  • Verknüpfung von Bahn und Bus
  • Bike & Ride, Radfahrerfreundlichkeit
  • Park & Ride, Pkwfahrerfreundlichkeit
  • Fahrgastinformation und Fahrkartenausgabe
  • Sicherheitseinrichtungen
  • Aufenthaltsqualität
  • Service

Jeder Punkt gliedert sich in mehrere Unterpunkte. Bei der Bewertung wurden die abweichenden Anforderungen berücksichtigt, die an Hauptbahnhöfe, Bahnhöfe und Haltepunkte gestellt werden.

Der Gesamteindruck

Es bestätigte sich die Vermutung, dass die Aufenthaltsqualität und Fahrgastinformation umso geringer ausfällt, je „kleiner“, abgelegener und als Verkehrsknotenpunkt unbedeutender eine Station und das sie umgebende Gebiet ist. Durchweg negativ wurde das Vorhandensein von ausreichend Sitzgelegenheiten bewertet. Bis auf wenige Ausnahmen ist die Zahl der überdachten und windgeschützten Sitzplätze schon bei leicht überdurchschnittlichem Fahrgastaufkommen unzureichend. Häufig müssen sich Fahrgäste bei Regen unter ein kleines Dach drängen, durch das kaum Abstand zum Nebenmann gewährt wird. Darüber hinaus ist der Zustand der Sitzgelegenheiten häufig unzumutbar und intolerabel oder Wartende können sich nur durch den Verzehr von Speisen und Getränken eine Sitzgelegenheit in einem Bistro oder Imbiss „erkaufen“.

Doch es gab auch Merkmale, die größtenteils positiv bewertet wurden. Der überwiegende Teil der getesteten Stationen ist gut mit Fahrgastinformationen ausgestattet und bietet Reisenden ein vielfältiges Angebot an Verbund- und Umgebungsplänen, sowie Tarifinformationen. Zudem erhalten Reisende Ausflugstipps und weitere wichtige Hinweise, wie die Hausordnung und Empfehlungen für weitere Beförderungsmöglichkeiten (Sachsenticket, Elbe-Laabe-Ticket, Schmalspurbahnen).

Das Konzept des B&R, sowie des P&R, also die Möglichkeit, Motorfahrzeuge und Fahrräder abzustellen, wurde größtenteils gelungen umgesetzt. Sowohl Parkplätze wie auch Fahrradständer waren an vielen Stationen ausreichend vorhanden. Wünschenswert wäre, dass vor allem Fahrradabstellanlagen in geringerer Distanz zu den Bahnsteigen vorhanden wären, da diese teilweise zu weit davon entfernt sind und somit näher liegende Geländer und Laternenpfahle als Abstellmöglichkeit genutzt werden.

„Lohmen est omen“

Dass der Name ein Zeichen ist, weiß der alte Lateiner. Dass aber auch Lohmen der Redewendung gerecht wird, zeigte sich erst durch den Bahnhofstest.

Als besonders schlechte Bahnhöfe lassen sich die Stationen Burkhardswalde-Maxen, Dresden-Cotta, Hartmannmühle, Lauenstein, Oberschlottwitz, Pirna-Copitz, Rathmannsdorf, Schmilka-Hirschmühle, Schöna, Stadt Wehlen und Wülknitz nennen. Diesen Stationen aus der dritten Stationskategorie, dem Haltepunkt, mangelt es nicht nur an Sitzgelegenheiten und Fahrgastinformationen, sondern es ist teilweise auch kein barrierefreier Zugang möglich.

Noch schlechter steht es um die Aufenthaltsqualität in Bischheim-Gersdorf, Gröditz, Helmsdorf, Köttewitz, Obervogelgesang und Stolpen, die teilweise keinerlei Wetterschutz bieten.

Absolutes Schlusslicht aller Stationen ist der Haltepunkt Lohmen, der nur sehr wenige Sitzgelegenheiten vorzuweisen hat, die außerdem nur schlecht überdacht sind. Das Fehlen eines Aushangfahrplans und mehrerer Seitenscheiben des Wartestandes ist dem hohen Aufkommen von Vandalismus zuzurechnen, das die Instandhaltung des Haltepunktes stark erschwert. Doch leider wird dadurch die Aufenthaltsqualität für den Reisenden stark vermindert.

Zufriedenstellende Ergebnisse in Kategorie 3 erreichten: Cossebaude, Freital-Potschappel, Großenhain Cottbusser Bahnhof, Hoyerswerda, Hoyerswerda Neustadt, Kamenz, Laußnitz, Niederau und Nossen. Den überwiegenden Teil der Anforderungen erfüllten außerdem Altenberg, Arnsdorf, Freital-Deuben, Glashütte, Klingenberg-Colmnitz, Königsbrück, Nünchritz und Tharandt.

Testsieger unter den Haltepunkten sind Pirna und Radeberg, sowie Dresden Flughafen.

Hauptbahnhof Dresden

Im Bahnhofstest erreichte der Hauptbahnhof 77% der möglichen Punkte, was für einen derart wichtigen Knotenpunkt unzureichend ist. Auffallend ist, dass im und außerhalb des Bahnhofsgebäudes kaum Sitzgelegenheiten außerhalb der Bistros und Kioske vorhanden sind, sodass wartende Fahrgäste genötigt werden, Gastronomie in Anspruch zu nehmen.

Im Hauptbahnhof werden Reisende auf vielfältige Weise über Fahrpläne, Fahrscheine und Ausflugsziele informiert. Trotz kleinerer Mängel schnitt der Hauptbahnhof deshalb im Bahnhofstest im Bereich Fahrgastinformation- und kommunikation mit am besten ab.

Fahrscheinautomaten sind bei Normalbetrieb in ausreichender Zahl vorhanden, jedoch unzureichend für Stoßzeiten und bei sehr hohem Fahrgastaufkommen, beispielsweise bei Sportturnieren oder Stadtfesten.

Äußerlich zeigt sich das Bahnhofsgebäude sehr ästhetisch und optisch ansprechend. Trotz der Dauerbaustelle bietet das Gebäude einen tollen Anblick durch die Verschmelzung von traditioneller Bauweise und modernster Architektur. Die meisten der bewerteten Anforderungen wurden vom Bahnhofsvorplatz und der Empfangshalle erfüllt. Sowohl die hohe Zahl an Zugängen in allen Himmelrichtungen, die vielfältigen Möglichkeiten der Fahrgastinformation, wie auch die intelligente Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln überzeugten.

Grundsätzlich bietet der Hauptbahnhof seinen Fahrgästen und Besuchern ein großes Spektrum an Service und Information, jedoch birgt er noch viel Verbesserungspotential. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass sich der Bahnhof derzeit im Umbau befindet. In naher Zukunft soll den Fahrgästen „ein neues, vielfältiges Shopping- und Gastronomieangebot mit flexiblen Öffnungszeiten“ zur Verfügung stehen.

Bahnhof Dresden-Neustadt

Ähnliches lässt sich über den Bahnhof Dresden-Neustadt sagen: Die Empfangshalle ist ebenerdig, jedoch sind die beiden Tunnel, die zu den vier Bahnsteigen führen, von allen vier Eingängen nur über mehrere Treppenstufen zu erreichen. An allen Eingängen sind Notrufsäulen installiert, die ein mobilitätsbeschränkter Reisende betätigen kann, um Hilfe durch das Servicepersonal anzufordern, jedoch ist dies nicht im Sinne der Barrierefreiheit: Als barrierefrei gelten Gebäude, die für jeden Menschen ohne Hilfe zugänglich gemacht werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass auch der Bahnhof Dresden-Neustadt im Bahnhofstest kein schlechtes Ergebnis erreichte, aber an der weiteren Optimierung des Fahrgastmanagements gearbeitet werden sollte.