Zwickau braucht die Tram am Hauptbahnhof

Stadt darf sich nicht selbst aufs Abstellgleis führen

Manche Geschichten sind so abstrus, die kann man nicht einmal erfinden. So ist es auch bei der derzeitigen Diskussion in Zwickau, ob der Hauptbahnhof in Zukunft noch von der Straßenbahn angefahren wird.

Der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD), Landesverband Elbe-Saale appelliert deshalb an die Mitglieder des Stadtrates, bei der anstehenden Abstimmung über die Zukunft der Straßenbahn am 15. Dezember ein deutliches Zeichen für den öffentlichen Nahverkehr zu setzen.

„Es kann doch nicht sein, dass sich die Mehrheit der Stadträte nicht an die eigenen Beschlüsse hält“, sagt Anne-Sophie Berner, stellvertretende Vorsitzende des VCD Elbe-Saale. Bereits im Jahr 2012 hatte der Stadtrat ein Nahverkehrskonzept verabschiedet, in dem die Aufwertung des Straßenbahn­anschlusses an den Hauptbahnhof festgeschrieben ist. Darin finden sich die Vorschläge, die jetzt umgesetzt werden sollen. Das Konzept sieht eine ganztägige direkte Bahnhofsanbindung mit der Tram vor, auch am Wochenende. Momentan ist wochentags um 17 Uhr Schluss. „Für die Stadt war dieser Beschluss ein deutliches Zeichen, die Attraktivität des Nahverkehrs steigern zu wollen“, betont Anne-Sophie Berner und fügt hinzu: „Gerade Zwickau hat bei der Förderung umweltfreundlicher Verkehrsmittel noch einen großen Nachholbedarf.“

Deshalb unterstützt der VCD Elbe-Saale die Forderungen des Fahrgastbeirates und fordert die Stadträte auf, die Vorlage der Verwaltung über die Neugestaltung des Zwickauer Straßenbahnnetzes zu verabschieden. Der geplante Umbau des Tramsystems in Zwickau und die bessere Verknüpfung von Tram und Nahverkehr ist in den Augen des VCD Elbe-Saale eine richtige und nachhaltige Investition. Das Konzept der Verwaltung sieht vor, die Straßenbahn vom Krankenhaus über den Bahnhof zu führen, um damit nicht mehr 5 Endstationen (Eckersbach, Krankenhaus, Neuplanitz, Pölbitz, Hauptbahnhof) anzufahren. Übrig blieben so zwei Linien mit 4 Endhaltestellen. Die Straßenbahn könnte effektiver auf voll ausgelasteten Linien fahren. Der Bahnhof wäre in dieses Netz vollständig integriert und würde regelmäßig jeden Tag angefahren.

Dies ist umso wichtiger, da der Zwickauer Hauptbahnhof von immer mehr Fahrgästen genutzt wird. Fuhren im gesamten Jahr 2012 noch rund 4,3 Millionen Fahrgäste vom Hauptbahnhof ab oder kamen dort an, erhöhte sich das Aufkommen bis zum letzten Jahr bereits auf 5,1 Millionen Fahrgäste. Grund dafür sind die seit diesem Jahr verkehrenden neuen Triebwagen von Dresden nach Hof, die in den Stoßzeiten sogar im 30-Minuten-Takt zwischen Zwickau und Chemnitz verkehren. Hinzu kommt die moderne S-Bahn-Verbindung nach Leipzig/Halle. „Diese Fahrgäste erwarten einen guten Anschluss zur Tram am Hauptbahnhof. Fehlt dieser, werden zumindest die Pendler nach Zwickau wieder aufs Auto umsteigen mit den zu erwartenden negativen Folgen für die Stadt im Hinblick auf Feinstaub­belastung, Lärm und Abgase,“ erläutert Anne-Sophie Berner. Ein zukunftsfähiger Nahverkehr erfordere aber die Vernetzung des innerstädtischen Nahverkehrs mit überregionalen Verbindungen.