Zur Insolvenz des Geraer Verkehrsbetriebs

Leserbrief der Ortsgruppe Gera des VCD Verkehrsclub Deutschland e. V. vom 11.08.2014

Die Geraer Ortsgruppe des VCD ist besorgt über die vorläufige Insolvenz des Geraer Verkehrsbetriebes. Der GVB ist eines der besten Unternehmen seiner Branche und als einziges schon zum zweiten Male mit einem Fahrgastpreis ausgezeichnet worden.

Der VCD tritt für eine ökologische und nachhaltige Mobilität ein, bei welcher der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) eine wesentliche Säule darstellt. Eine gut funktionierende Infrastruktur gehört zum Selbstverständnis einer lebendigen Stadt. Unserer Meinung nach ist ÖPNV kein Luxus, den man sich nur in „besseren Zeiten“ leisten kann, sondern dient dem Mobilitätsbedürfnis eines Großteils der Bevölkerung. Allein drei Viertel der mit dem GVB beförderten 17 Millionen Fahrgäste im Jahr nutzen die Straßenbahn.

Gerade in Gera, wo ein überdurchschnittlich hoher Anteil älterer Menschen zu Hause ist, stellen Straßenbahn und Bus eine Grundvoraussetzung dar, um die täglichen Wege ohne fremde Hilfe bewältigen zu können. Vorschläge der externen Wirtschaftsberater Ernst & Young, die auf eine Einstellung des Straßenbahnbetriebes orientieren, grenzen an Unkenntnis der Situation vor Ort und auch an Unkenntnis im Thema ÖPNV. Ein Ersatz der Straßenbahnen durch zwangsläufig viel mehr Omnibusse, die erst einmal neu gekauft und zudem viermal so häufig durch Neufahrzeuge ersetzt werden müssten wie Straßenbahnen, würden das finanzielle Defizit unseres Erachtens noch größer anstatt kleiner werden lassen.

Eine im Frühjahr erschienene Studie weist dem Öffentlichen Personennahverkehr überdies einen volkswirtschaftlichen Nutzen aus, der viermal so hoch ist wie seine Kosten. Allein deshalb müssen Änderungen mit Augenmaß geschehen.
Gewiss muss an einigen Stellschrauben gedreht werden, um das Verkehrsunternehmen mit seinen rund 300 Beschäftigten wieder in sicheres Fahrwasser zu bringen und für die Zukunft fit zu machen. Zudem ist eine Ursachenforschung, die bis hin in die Stadtwerke-, Stadt- und Landesspitze reicht, sehr anzuraten, damit aus den Fehlern gelernt werden kann und nicht andere Verkehrsunternehmen in einen ähnlichen Abwärtsstrudel geraten.

Der VCD, der selbst mit einem Vertreter im Fahrgastbeirat präsent ist, bietet seine fachliche Mitarbeit an, um im Sinne der Fahrgäste im Rahmen des durch den Stadtrat beschlossenen und bis 2018 gültigen Nahverkehrsplanes einen nicht nur nachfrage-, sondern angebotsorientierten Nahverkehr der Zukunft in Gera mit auf die Beine, sprich Schienen, zu stellen.

Ansprechpartner:
Gilbert Weise, gilbert.weise@vcd-mitte.de, Tel. 0365-7112702, 0172-3470768
Jens Schneider, gera@vcd.org, Tel. 0365-8002379