Bautzner Straße braucht den 3-Meter-Gleismittenabstand

Verkehrsclub wirbt dafür, zur Sachpolitik zurückzukehren

Die aktuelle Diskussion rund um die Baumaßnahmen entlang der Bautzner Straße und der Bautzner Landstraße sieht die Ortsgruppe Dresden des Verkehrsclubs Deutschland e.V. (VCD) mit Sorge. Die politische Debatte entfernt sich immer mehr von der Faktenlage. Geschürt wird sie maßgeblich von der FDP-Fraktion, die einmal mehr zeigt, dass verkehrlicher Sachverstand nicht ihre Stärke ist. In der aktuellen Bürgerinformation bezeichnet die Partei die Baumaßnahmen als „konzeptlos und überteuert“. Des Weiteren wird der Stadtverwaltung und dem Stadtrat unterstellt, dass Verkehrspolitik grundsätzlich und ausschließlich ideologisch betrieben und der öffentliche Nahverkehr ständig bevorzugt wird. Dass dies nicht der Fall ist, beweisen Millionenprojekte wie Waldschlösschenbrücke, Bramschtunnel oder die groß dimensionierten Kreuzungsprojekte an der Südhöhe und der Flügelwegbrücke.

Im Mittelpunkt der FDP-Argumentation steht die Staugefahr durch die Verbreiterung des Gleismittenabstandes der Straßenbahn um 40 cm. Künftig könnten Autos nicht an der Straßenbahn vorbeifahren. Dass dies nicht erforderlich ist, da die Straßenbahn künftig anders als heute auch mit 50 km/h fahren kann, wird verschwiegen. Weiterhin vermutet die FDP mit dem Ausbau hohe Kosten. Der VCD bezweifelt, dass eine Sanierung mit Verbreiterung des Gleisabstandes teurer wird.

Bereits seit über 20 Jahren wird bei allen Baumaßnahmen der Gleismittenabstand auf 3 Meter verbreitert. Das geht auf einen Grundsatzbeschluss mit dem Ziel zurück, in Zukunft breitere Straßenbahnen einsetzen zu können. Dieser Beschluss wird von sämtlichen Fachämtern, Landesbehörden und Mitgliedern des Bauausschusses der Landeshauptstadt Dresden getragen. Mit ihrem historischen Verweis auf die typischen Dresdner schmalen Straßenbahnen verkennt die FDP die Anforderungen der Bürger an einen attraktiven und modernen Nahverkehr.

Durch den Bevölkerungszuwachs werden hauptsächlich im Straßenbahnnetz Fahrgastzuwächse erwartet. Mit breiteren Fahrzeugen können bei gleichzeitigem Komfortzuwachs ca. 30 Prozent mehr Fahrgäste befördert werden. Das ist die kostengünstigste Erhöhung der Leistungsfähigkeit des Nahverkehrsnetzes. Kommen die breiteren Bahnen nicht, müssen zusätzliche Bahnen eingesetzt werden. Das wiederum erhöht die Betriebskosten der DVB.

“Dass wir unser Nahverkehrssystem zukunftssicher machen müssen, ist Konsens des Runden Tisches der Stadt Dresden zum Verkehrsentwicklungsplan 2025+“, sagt der Diplom-Verkehrswirtschaftler und VCD-Mitglied Clemens Kahrs. In diesem Gremium sind neben dem VCD viele weitere gesellschaftliche Gruppierungen wie auch die FDP beteiligt.

Der Grundsatzbeschluss war und ist wegweisend. Damit kann bereits die nächste Generation Stadtbahnwagen breiter bestellt werden. Beispiele wie die Leipziger und Großenhainer Straße zeigen, dass auch ohne eine durchgängige eigene Autospur keine Staufalle droht. Und übrigens: Mehr Fahrgäste in der Straßenbahn entlasten die Straßen.