Fahrgastverband VCD fordert zuverlässigen Bahnverkehr

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD), Landesverband Elbe-Saale, appelliert an die Verantwortlichen in der Politik, die peinliche Sperrung der Eisenbahnstrecke Halle-Bitterfeld zum Anlass zu nehmen, die Praxis ihrer Aufsicht über die Bahn auf den Prüfstand zu stellen. „Die Streckensperrung der Strecke Halle-Bitterfeld zeigt, dass die Politik ganz offensichtlich geschlafen hat.“ sagte der Vorstandsvorsitzende des VCD-Landesverbands, Jan Krehl, gestern. „Erst nach den Presseveröffentlichungen wachte Verkehrsminister Webel, von Sachsen-Anhalt auf und äußert sich!“

Der VCD-Sprecher wies darauf hin, dass es sich bei der von der Deutschen Bahn vernachlässigten Eisenbahnstrecke nicht nur um eine hoch frequentierte, wichtige Nah- und Güter-verkehrsstrecke handelt. Sie sei zudem als Teil der Hochgeschwindigkeitsstrecke Berlin – München ein wesentlicher Bestandteil der wichtigen TEN-Achse Berlin-Palermo. TEN (Trans-European Networks)-Achsen gehören zu transeuropäischen Verkehrsnetzen, die auf entsprechenden Leitlinien der EU beruhen. Zu der TEN-Achse Berlin-Palermo gehören unter anderem die Neubaustrecke nach München und der Brennerbasistunnel.

„Die Deutsche Bahn scheint hier sehenden Auges eine wichtige europäische Eisenbahnverbindung vernachlässigt zu haben.“ sagte Krehl und fuhr fort: „Sowohl das Land als auch der Bund, der zugleich Eigentümer der Deutschen Bahn AG ist, sind ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen. Verkehrsminister, die sich lieber für den Bau von Autobahnen, Straßen und Kanälen einsetzen, haben offensichtlich keine Zeit mehr, sich für einen leistungsstarken und umweltfreundliche Schienenverkehr stark zu machen.“

Land und Bund müssten nach Ansicht des VCD-Sprechers jetzt umgehend handeln, um weiteren Schaden zu vermeiden. Es könne nicht sein, dass auf nicht absehbare Zeit Pendler im Schienenersatzverkehr mit dem Bus fahren müssten und Reisende im Fernverkehr ihre Ziele oft erst ein bis zwei Stunden später erreichen, da sie etwa in Berlin oder Naumburg ihre Anschlusszüge verpassten. Denn nach aktuellem Stand muss die Strecke teilweise abgetragen und neu gebaut werden. Krehl betonte, dass der Staat gerade in Zeiten steigender Treibstoffpreise und eines gestiegenen Umweltbewusstseins ein funktionsfähiges Schienennetz sicher stellen müsse, um den öffentlichen Nah- und Fernverkehr zu gewährleisten.